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Kugel
Definition:
Billardkugel

Geschichte


Vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg wurden Billardkugeln ausschließlich aus Elfenbein gefertigt. Die Nachfrage war deutlich höher als das Angebot und der Nachschub an Elfenbein schrumpfte immer mehr. Nachdem das Angebot an Elfenbein dramatisch nachließ, bot der irischstämmige amerikanische Geschäftsmann und Billardspieler Michael Phelan 1863 demjenigen eine 10.000 $ hohe Belohnung, der ein Material finden oder herstellen würde, das als Ersatz für Elfenbein dienen konnte.

Der New Yorker Ingenieur John Wesley Hyatt fand in dem von ihm verbesserten Zelluloid (1855 vom Briten Alexander Parkes erfunden)  einen thermoplastischen Kunststoff, der den Anforderungen an Materialhärte und Beständigkeit genügte, und gewann die Belohnung.

Heute werden Billardkugeln aus hochreinem Phenolharz gefertigt. Marktführer ist die belgische Firma Saluc, die ihren Werkstoff unter dem Produktnamen „Aramith“ vertreibt. Moderne Kunststoff-Kugeln haben im Vergleich zu Elfenbeinkugeln wesentlich bessere Rolleigenschaften und sind zudem widerstandsfähiger. Eine Ausnahme bildete die Carambolagedisziplin Kunststoß. Dort wurden die Elfenbeinbälle bis in die 1960er-Jahre regelmäßig aufgrund ihrer besseren Effet-Eigenschaften bei Massé-Stößen genutzt. Zuletzt wurden sie bei der Europameisterschaft 1986 genutzt. Dort zerbrach dem 7-fachen deutschen Meister Gert Tiedtke bei einem seiner Stoßversuche ein Elfenbeinball in zwei Hälften.

Material


Phenolharz besteht aus ungesättigten Polyester Harzen und Calcium Carbonat, die in Anwesenheit eines organischen Peroxids als Katalysator miteinander reagieren. Das endgültige Material wird auch als Gießharz bezeichnet und wird in einer Vakuumkammer in Form gebracht, sodass Lufteinschlüsse im Material ausgeschlossen werden können.

Auf der Website von Saluc ist zu lesen, dass es sich beim Herstellungsverfahren um ein sehr gut gehütetes Geheimnis handelt. „Eine sehr genaue Kontrolle der Rohmaterialien wird von Saluc gewährleistet. Der Herstellungsprozess beinhaltet 13 Schritte und dauert 23 Tage, wozu das Gießen, Aushärten, Schleifen und Polieren der Bälle gehört. Um die gewünschten Spezifikation einhalten zu können und geringe Toleranzen zu gewährleisten wird die handwerkliche Seite dieses Prozesses durch Computersteuerung unterstützt. Trotz des hohen Automatisierungsgrades und der ständigen Zufallskontrollen wird jeder Ball noch einmal von Hand geprüft, bevor er die Fabrik verlässt.“ (übersetzt aus dem Englischen)

 

Eigenschaften von Billardkugeln in Hinsicht auf Gewicht, Größe und Abnutzung


Allgemein kann man festhalten, dass je länger Billardkugeln gespielt werden, die Weiße im Vergleich zu den Objektbällen kleiner wird, da sie einer höheren Abnützung (Breaks, länger Laufwege, häufigere Karambolagen) ausgesetzt ist. Ersetzt man einen alten Spielball (Weiße) durch einen neuen, hätte man es hingegen mit einer geringfügig schwereren Weißen im Vergleich mi den Objektbällen zu tun. Sehr stark spürbar ist der Gewichtsunterschied bei Münzautomaten. Bei diesen Tischen unterscheidet das Ballrücklaufsystem die Objektbälle und die Weiße anhand des Gewichts. Hier ist die Weiße deutlich größer und schwerer als die Objektbälle. Die führt dazu das „Laufeffet“ leichter, Zugeffet hingegen viel schwerer zu realisieren ist (Massenträgheit).

Am leichtesten ist dies mithilfe eines Stopballs zu verdeutlichen. Ein Stopball, der bei gleich schweren Kugeln zum Stillstand kommt, resultiert bei einer schwereren Weißen in einem leichten „Läufer“. In diesem Fall müsste man also etwas tiefer spielen um den Stopball zu realisieren. Der umgekehrte Effekt tritt ein, wenn Ballsätze schon sehr lange bespielt werden, und die Weiße einen dementsprechende Abnutzung erfahren hat. In diesem Fall sind „Läufer“ schwerer als Zugbälle zu realisieren.

Ein anderer Effekt besteht darin, dass sich unterschiedlich große Bälle nicht mehr an ihren Äquatoren berühren, was zu einem Springen des größeren Balls führt, der quasi über den kleineren hinweg „klettern“ möchte. Besonders auf Münzautomaten ist es daher recht einfach die Weiße beim Break vom Tisch springen zu lassen.

Abgenutzte Bälle lassen sich auch nicht mehr so gut aufbauen. Das kommt meist von uneinheitlicher Abnutzung. Dies kann beispielsweise daher rühren, dass Bälle vom Tisch gesprungen sind und dabei Macken bekommen haben. Dies führt auch dazu, dass sich alte Bälle nach dem Break nicht so gleichmäßig verteilen wie neuere, weniger Bälle fallen und möglicherweise auch mehr Anhäufungen von Bällen entstehen.

 

Quantitative Auswirkungen der Abnutzung

 

Die nachfolgenden Messungen sind mit einfachen Mitteln (Digitalwage mit einer Stelle hinter dem Komma; Digitale Schublehre) durchgeführt worden. Die jeweils am Ende aufgeführten Durchschnittswerte sollten aber doch einige Aussagekraft haben. Deutlich wird auf jeden Fall, das die Kugeln nach der Herstellung nicht nach Gewicht sortiert werden.

 

 

Super Aramit Pro TV (57,2 mm) - Der Satz wurde noch nicht bespiet!
Ball     Gewicht     Abweichung von der Norm (170 g)DurchmesserAbweichung von der Norm (57,2 mm)    
1169,7 g− 0,3 g57,12 mm− 0,08 mm
2169,7 g− 0,3 g57,13 mm− 0,07 mm
3168,8 g− 1,2 g57,11 mm− 0,09 mm
4169,3 g− 0,7 g57,13 mm− 0,07 mm
5169,4 g− 0,6 g57,13 mm− 0,07 mm
6169,5 g− 0,5 g57,13 mm− 0,07 mm
7168,9 g− 1,1 g57,13 mm− 0,07 mm
8169,2 g− 0,8 g57,17 mm− 0,03 mm
9169,8 g− 0,2 g57,20 mm± 0,00 mm
10169,5 g− 0,6 g57,17 mm− 0,03 mm
11169,1 g− 0,9 g57,20 mm± 0,00 mm
12169,6 g− 0,4 g57,13 mm− 0,07 mm
13170,0 g± 0,0 g57,15 mm− 0,50 mm
14169,2 g− 0,8 g57,13 mm− 0,07 mm
15169,7 g− 0,3 g57,10 mm− 0,10 mm
Weiße (Cueball)169,0 g− 1,0 g57,11 mm− 0,09 mm
169,4 g− 0,6 g57,14 mm− 0,06 mm

 

 

 

Super Aramit Pro TV (57,2 mm) - Der Satz wurde ca. 60 Stunden bespiet, war also so gut wie neu.
Ball     Gewicht     Abweichung von der Norm (170 g)DurchmesserAbweichung von der Norm (57,2 mm)    
1169,3 g− 0,7 g57,07 mm− 0,13 mm
2170,7 g+ 0,7 g57,20 mm± 0,00 mm
3169,8 g− 0,2 g57,23 mm+ 0,03 mm
4170,8 g+ 0,8 g57,19 mm− 0,01 mm
5169,9 g− 0,1 g57,15 mm− 0,05 mm
6169,9 g− 0,1 g57,14 mm− 0,06 mm
7168,2 g− 1,8 g57,10 mm− 0,10 mm
8169,5 g− 0,5 g57,21 mm+ 0,01 mm
9169,9 g− 0,1 g57,19 mm− 0,01 mm
10169,9 g− 0,1 g57,15 mm− 0,05 mm
11169,8 g− 0,2 g57,16 mm− 0,04 mm
12166,8 g− 3,2 g56,88 mm− 1,12 mm
13167,7 g− 2,3 g57,13 mm− 0,07 mm
14169,0 g− 1,0 g57,14 mm− 0,06 mm
15170,2 g+ 0,2 g57,17 mm− 0,03 mm
Weiße (Cueball)169,3 g− 0,7 g57,22 mm+ 0,02 mm
169,4 g− 0,6 g57,13 mm− 0,07 mm

 

 

 

Super Aramit Pro TV (57,2 mm) - Der Satz wurde über mindesten 6 Jahre hinweg täglich durchschnittliche vier Stunden bespielt (ca. 9000 Stunden). Insbesonder der Spielball (Weiße) wieß einige Macken auf, war aber noch befriedigend bis ausreichend zu spielen. Bemerkenswert ist die Abnutzung der Weißen!
Ball     Gewicht     Abweichung von der Norm (170 g)DurchmesserAbweichung von der Norm (57,2 mm)    
1168,3 g− 1,7 g56,88 mm− 1,32 mm
2168,0 g− 2,0 g56,88 mm− 1,32 mm
3168,3 g− 1,7 g56,87 mm− 0,33 mm
4167,5 g− 2,5 g56,89 mm− 0,31 mm
5167,6 g− 2,4 g56,89 mm− 0,31 mm
6167,5 g− 2,5 g56,91 mm− 0,29 mm
7167,2 g− 2,8 g56,91 mm− 0,29 mm
8168,6 g− 1,4 g56,92 mm− 0,28 mm
9167,4 g− 2,6 g56,90 mm− 0,30 mm
10167,5 g− 2,5 g56,91 mm− 0,29 mm
11167,6 g− 2,4 g56,95 mm− 0,25 mm
12166,8 g− 3,2 g56,92 mm− 0,28 mm
13167,4 g− 2,6 g56,84 mm− 0,36 mm
14168,1 g− 1,9 g56,99 mm− 0,21 mm
15167,7 g− 2,3 g56,92 mm− 0,28 mm
Weiße (Cueball)163,7 g− 6,3 g56,45 mm− 0,75 mm
167,5 g− 2,5 g56,88 mm− 0,32 mm

 

 

Reinigung und Pflege


Was für Effekte haben unterschiedliche Reinigungsmittel und -methoden auf die Spieleigenschaften von Billardkugeln?

Ölige und wachsähnliche Reinigungsmittel führen dazu, dass der sogenannte „throw“ quasi auf null reduziert wird. Auf den ersten Blick klingt das gut, da man bei dünnen Bällen (z.B. ein dünner langer Ball an der Bande entlang) nicht mehr so sehr auf einen seitlichen Versatz des Objektballs achten muss. Man muss also diesen Effekt nicht mehr kompensieren. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass keine Effetübertragung mehr stattfindet. Dies kann bei Bandenbällen deren Austrittswinkel man mittels Effetübertragung verändern möchte negative Resultate zeitigen. Kurz und gut, Billardkugeln sind lange nicht so glatt, wie man denken sollte und sollen es auch nicht sein, damit Effet vom Spielball auf die Objektbälle übertragen werden kann. Ölige oder wachsähnliche Mittel oder gar Silikonspray machen die Bälle aber glatt und rutschig. Außerdem nutzen sich diese Mittel recht schnell ab, sodass man mit sich ändernden Spieleigenschaften während eins Spieles rechnen muss, ganz abgesehen davon, dass Möbelpolitur sich ins Gewebe des Tischbezugs einarbeitet und diese fettig macht. Sehr dreckige Bälle kann man mit Glasreiniger reinigen und danach mit einem geeigneten Poliermittel (Aramith Politur oder Ball Restorer) auf Hochglanz bringen.

 

 

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